Pilion, der heitere Berg der Kentauren

Zagora im August 2003
und kosmische Schwingungen
während des zunehmenden Mondes bis zum Vollmond

Meine Reise führt mich zum Pilion, auf den heiteren Berg der Kentauren. Dorthin, wo einst Jason als mythischer Held den jungen Griechen ein Vorbild war. Wo einst Chirion, der weiseste Kentaure, Achill erzogen hat, den größten mythischen Heroen des Altertums.

Erster August, ich sitze im Flugzeug nach Thessaloniki. Ich krame den Zettel hervor, den ich von Nikos erhalten habe, mit wichtigen Infos, Telefonnummern, Bustransfer etc. Hoffentlich habe ich auch nichts vergessen. Die neu gekauften Wanderstöcke musste ich im letzten Moment doch noch zu Hause lassen, da sie nicht in den Koffer passten. „Mist, da habe ich doch am falschen Platz gespart!“ Na, nun ist es auch nicht mehr zu ändern. Ich lese noch einmal den Liedvers, der darauf steht. Ein Vers, der aus der Zeit der Militärdiktatur stammt. Die Menschen die das Lied sangen, machten sich damals damit Mut durchzuhalten:

»… Jetzt lacht sie wieder die Sonne, und lässt ihre wärmenden Strahlen
in den hintersten Winkel der engen Gassen fließen.
Sie tanzt auf der Trommel und verteilt die Farbenpracht der Welt.
Das Rot bekommt der Granatapfelbaum, das Grün ist für die Kinder,
und für Myrsinis Kleid eine Muttergottes…
…Oh ja, mit unserem Übermut werden wir dich trunken machen, Sonne,
dich dazu verlocken, ein wenig länger mit uns zu verweilen.
Ja gewiss, Sonne, deine Wärme, dein Licht werden wir sorgsam bewahren –
Auf unseren Dächern, in unseren Herzen!
Willkommen Sonne, guten Tag!«

Der Vers begleitet mich. Er leuchtet durch seine farbenprächtige Sprache und lädt zu etwas ganz Besonderem ein: „Lass dich ein auf ein wunderschönes Land!“ Ich freue mich!

Die Busfahrkarte habe ich telefonisch bestellt. Na, ob das auch geklappt hat? Ein bisschen Magenkribbeln habe ich deswegen schon, noch dazu ist mein Griechisch außerordentlich spärlich, aber mit Englisch, Händen und Füßen klappt es sicher.

Wer sagt es, neben mir sitzt eine sehr nette Griechin mit ihrem Sohn, sie haben denselben Weg, dazu gesellt sich noch Sara, die ihre Großmutter besuchen wird. Wir kommen sehr schnell ins Gespräch und finden gegenseitige Anknüpfungspunkte. So ist das manchmal.

Der Landeanflug auf Thessaloniki beginnt im Gewitter. „Na“, denke ich, „hat das was mit mir zu tun? Begleiten mich auch in diesem Jahr die Regengöttinnen und -götter?“

Alles klappt super, meine „issitirio“ Fahrkarte, war auch hinterlegt. Ha, Jubel!! Mein Magenkribbeln verschwindet und ich sitze im Bus Richtung Volos und dann endlich im Taxi auf dem sich den Berg hinaufschlängelnden Weg nach Zagora. Schnell mal eine SMS an Nikos, damit ich weiß, wo ich hin muss. Wunderbar, die Gruppe sitzt in Fanis Restaurant beim Essen und ich geselle mich zu ihnen. Es ist schön, hier angekommen zu sein.

Nikos lädt uns für den darauffolgenden Tag zur Begrüßung in sein Haus oben am Berg ein, zusammen mit Wolfgang. Mit einem wunderbaren Blick von der Terrasse auf das türkisfarbene ägäische Meer beginnt das erste sich gegenseitige Kennenlernen. Tanzschritte, die uns schon bekannt sind und eine Tasse Kaffee, stimmen uns auf die gemeinsame Zeit hier ein. 28 Tanzfreudige oder Verrückte? treffen sich hier im Pilion, um täglich zu tanzen, wandern, und zu baden, begleitet von griechischer Musik, dem Zirpen der Grillen und dem Duft der Zypressen.

Von meinem Zimmer aus im Ortsteil Metamorfosis kann ich das Meer sehen. Jeden Morgen vor Sonnenaufgang erwandere ich die Hügel, die sich hinter dem Haus bergauf ziehen, suche mich auf den schmalen, ständig in andere Richtungen führende Gassen zurechtzufinden. Ich möchte die Sonne begrüßen „Kalimera“! Irgendwann finde ich den Weg zu der kleinen Kapelle, hoch oben. Das ist der schönste Platz. Ich genieße die Stille der Natur, das wechselhafte Spiel des Windes mit den Wolken und der Sonne. Irgendwo bellen Hunde und die Hähne krähen in den Morgen hinein. Ein Bauer reitet auf seinem Esel an mir vorüber, noch höher bergan. Ein Fuchs läuft auf leisen Sohlen an mir vorbei. Hier oben finde ich zu den Märchen, hier passen sie hin.

Die Tage sind ausgefüllt mit tanzen und wandern. Wir frühstücken auf der Platia Agios Georgios im Café der Frauenkooperative. Wir tanzen in Zagora auf einer überdachten Terrasse, in Pouri auf der Platia unter einer sechshundert- bis tausendjährigen Platane mit einem wunderbaren Blick aufs Meer sowie auf der Platia in Tsangarada mit einer tausendjährigen Platane und 14 m Umfang.
Ein besonderes Erlebnis sind die Tanzfeste in den Dörfern am Abend. Hier erleben wir griechische Kultur und lernen einiges: Ob und wann getanzt wird, entscheiden die Gastgeber. Kein Gast tanzt, sollte tanzen, bevor der Tanz nicht von den Einheimischen bzw. „Gastgebern“ begonnen wurde, nachdem vorher ein herzhaftes Essen eingenommen wurde. Der/die die Reihe anführt, also vorne tanzt, „parkt“ nicht lange dort, sondern gibt anderen die Möglichkeit auch dorthin zu gelangen. Keiner tanzt aus der Reihe! Der Tanz ist ein Miteinander, sich gegenseitige Achtung schenkend und gleichzeitig eine Präsentation für die, die zuschauen!

Für Samstag, den 9. August haben wir uns mit den Frauen der Kooperative zu einer Kräuterwanderung verabredet. Wir fahren morgens früh um 6.40 Uhr mit dem Bus nach Pouri. Von dort aus gehen wir los. Die Wanderung in den erwachenden Morgen hinein ist wunderbar. Wir laufen durch Laubwald, über schmale Pfade und breite Wege. Nach drei Stunden treffen wir auf vier Frauen und deren Männer. Gemeinsam mit ihnen steigen wir einen schmalen Pfad zu einem Flussbett in eine Schlucht hinunter. Sie bereiten uns hier ein vielfältiges Frühstück; schon bald duftet der griechische Kaffee, der hier natürlich nicht fehlen darf. Dicke Felsbrocken liegen wie Murmel verstreut herum. Über uns führt eine kleine Steinbrücke über den Fluss. Nikos erzählt uns die Geschichte, wie in längst vergangener Zeit es durch das Opfer einer Frau tatsächlich möglich wurde, dass die Brücke hielt und nicht mehr zusammenstürzte.
Ja und dann gibt es da noch die Geschichte mit dem Wasser von Pouri. Sie zeigt, dass es möglich ist, Widerstand zu leisten, durch gute Ideen und Zusammenhalt der Menschen und natürlich auch durch einen starken Willen, gemischt mit ein bisschen Starrsinn, im Nicht-Nachgeben gegenüber staatlicher Interessen.

Nachdem wir alle gestärkt sind, wandern wir mit den Frauen über die nach Oregano und Pfefferminze duftende Anhöhe. Hier suchen und finden sie das ganze Jahr über eine reichliche Fülle an Kräutern: Ysop, Johanniskraut, Oregano, Pfefferminze, Lorbeerbäume, Hagebutten…. Die Frauen trocknen die Kräuter und verkaufen sie in dem Café-Lädchen Agios Georgios. Ebenso verkaufen sie dort selbstgekochte Marmelade, Liköre und Kräuter-Olivenöl. Ich finde es eine wunderbare Sache, wie die Frauen dadurch ihre Eigenständigkeit bewahren und gemeinsam für eine Sache stehen.

Am Nachmittag dieses Tages steigen wir in eine Bucht hinunter. Die Männer sind mit ihren Autos schon dort und lagern im Schatten. Wir Sonnenhungrigen aber stürzen uns in die kühlen Fluten und genießen die Sonne, bevor wir dann ein voluminantes Picknick zum Abschluss des Tages gereicht bekommen. Die Stimmung ist wunderbar und auf den Ladeflächen der Pick ups fahren wir lachend und kichernd wieder den Berg hinauf Richtung Pouri. Einen netten Abschluss findet dieser Tag in einer Taverne bei einem kühlen Bier und spät abends bei einem Musikfest in Zagora.

Sonntag, 10. August. „Zunehmender Mond im Steinbock, aufsteigend – Pflichtbewusstsein, Verantwortung und Reduktion auf das Wesentliche prägen die Stimmung an Steinbock-Tagen.“ Nikos hat mit uns eine Nachtwanderung geplant. Abfahrt 17.30 Uhr an der Platia bis Pouri. Der Bus hat Verspätung, der Himmel bedeckt sich immer mehr, ein Wetterumschwung lässt sich vorausahnen. Es dauert nicht lange, da türmen sich riesige Wolken über dem Meer, scheinen heranzurasen und es wird immer dunkler. Nikos hört, dass von Thessaloniki her ein Unwetter heranzieht, die Wanderung wird nicht stattfinden. Wir zerstreuen uns in alle Richtungen, mit Bedauern, die schöne Wanderung nicht machen zu können. Das heranstürmende Unwetter mit Regen, dicken Hagelkörnern, Donner und Blitz stellt das Verständnis wieder her. Wie gut, dass wir noch nicht im Bus saßen oder gar unterwegs gewesen wären.
Am nächsten Morgen jedoch wird uns klar, was das Gewitter bewirkt hat. Die fast komplette Apfelernte ist hin, nun schon das dritte Jahr in Folge. Die Männer treffen sich im Rathaus zu einer Krisensitzung. Ein Mitbürger ist in der letzten Nacht verstorben, der Priester läutet am Morgen die Totenglocke. Irgendwie liegt etwas Trauriges über Zagora und auch uns nimmt diese Stimmung gefangen. Sind das die kosmischen Schwingungen, die der Vollmond verbreitet, verursacht? Nichtsdestotrotz, die Vollmondwanderung wird für diesen Abend angesagt. „Zunehmender Mond im Wassermann, aufsteigend. Unerwartetes stößt uns an Wassermann-Tagen häufiger zu als sonst. Wir streben nach größtmöglicher Freiheit. Neues zieht uns magisch an und wir probieren alles Mögliche aus.“ Wir treffen uns auf der Platia, die Wanderung führt uns zu der kleinen Kapelle, den Berg hinauf – wir, das ist eine Gruppe von Menschen, laut redend, der Natur keinen Raum lassend – kann frau/mann hier etwas wahrnehmen? Vor dem letzten Anstieg bittet Nikos alle innezuhalten und ruhig zu werden – für viele ist das schwer auszuhalten. Es entsteht Ruhe, keine innere Stille. Für den einen oder anderen vielleicht, aber nicht für jeden. Während der Mond golden aus dem Meer aufsteigt herrscht Schweigen. Für mich ist die Atmosphäre drückend. Sie lädt nicht ein zum Erzählen und lässt auch keine innere Nähe zu. So sitzen wir da, beschauen den Mond, jede/jeder versunken in seine eigenen Gedanken. Manche gehen leise herum. Die Dämmerung wechselt hinüber in die schwarze Nacht, der Himmel ist golden bepunktet mit Sternen. Ein leiser Wind zieht auf, ich beginne zu frösteln, habe aber zum Glück eine Jacke mit. Als sich Nikos zum Aufbruch anschickt, ist es mir doch so, als müsste ich diese Schwere irgendwie aufheben, auflösen. Ich frage Nikos leise, ob ich nicht doch noch etwas erzählen soll. Er antwortet, auch er habe etwas lesen wollen, was er nicht getan hat. Sein Empfinden war, dass die Menschen dafür nicht empfänglich wären. Auf jeden Fall hielt uns beide etwas zurück, etwas, das ich nicht mit Worten erklären kann. Ist das das gleiche Phänomen, das Wolfgang dazu bewogen hat, keine meditative Einstimmung am Morgen zu machen? Kosmische Schwingungen, sie lagen in der Luft, atmosphärisch erspürbar!

Über vieles wäre noch ausführlicher zu berichten. Ich lasse es nur anklingen und wichtige Momente aufblitzen. Was zum Beispiel macht ein Reiseleiter, der Wandern in seiner Reisebeschreibung stehen hat, jedoch jede Teilnehmerin, jeder Teilnehmer eine eigene Vorstellung hat, was Wandern heißt. Einige laufen mit Wandersandalen, andere mit dünnen Tuchschuhen die Berge hinauf und hinunter. Fragen kommen auf: Regenjacke, wozu? Sonnenschutzhut, warum? Oder gar Wanderstöcke? Wofür sollten die wohl sein? Ja und dann das Tempo; wie findet sich das richtige Maß für die Gruppe? Ein Teil will sportlich voran, die anderen lieben es eher gemächlich, schließlich muss mann/frau sich zwischendurch ja auch mal ausruhen, die Aussicht genießen und fotografieren; schöne Fotos sollen schließlich mit nach Hause. Mann oh Mann, wie kriegst du 28 Individualisten unter einen Hut? Mit Langmut und Geduld? Mit Resignation und ab und an Abgenervt sein? Oder…?

Über das Kochen mit den Frauen der Kooperative für ein leckeres Abendessen, oder wie Nikos und Wolfgang beim Abschlussabend nichtwissend von uns, einen „charmanten Korb“ mit Nudeln geschenkt bekamen, über die Wanderung zur kleinen Kapelle des „Wander-Gottes“ Wadistís, der mit dem Rücken den Berg herab ins Meer stürzte und dessen Fußspitzen noch versteinert aus dem Wasser ragen. Oder über die Tanztage mit Thanassis, dem Tanzlehrer mit der wohlklingenden Bassstimme: „Lipón, aristerá, dexiá und „a la yi“ sowie die spontane Entscheidung auf ein besonderes Dorffest in Monastiery zu fahren, was für Nikos wahnsinnigen Stress, Umorganisation und Herumtelefoniererei bedeutete. Es war es wert und hat Spaß gemacht!! Eine Nacht, in der eigentlich niemand ins Bett will.

Daran schließt sich die Fahrt nach Verdikoussa, dem Heimatort von Nikos, an. Den Aufenthalt dort empfinde ich als etwas ganz Besonderes. Wir durften seine „persönlichen“ Gäste dort sein und waren aufs Herzlichste willkommen. Unsere Ankunft im Hotel war spät in der Nacht. Es war der 15. August, Mariä Himmelfahrt, der zweitgrößte Feiertag in Griechenland. Jeder der nur kann, fährt dann nach Hause und feiert mit. Nikos Vater, ein feiner alter Herr, begrüßte uns am Morgen. Sophia, die in Düsseldorf lebt und hier ihre Ferien verbringt, lädt uns zu sich nach Hause ein. Nikos führte uns durch sein Dorf auf dem Berg mit einem Blick weit in die Ebene hinab. Der Rundgang führte uns zur ehemaligen Polizeistation, zum Friedhof, vorbei am Sportplatz zur Schule. Sie ist sogar offen und wir werfen einen Blick hinein. Er erzählte so manche Anekdote sehr persönlicher Art aus seinem Leben von einst dort, ließ Nähe zu. Ich konnte mir den quirligen, lebensfrohen Burschen von einst sehr gut vorstellen. Und ich sehe da auch den sehr philosophischen, ernsten Menschen von heute, den Lehrer, von dem, wer mag, viel lernen kann!
Ich hätte gerne ein Gastgeschenk mitgebracht! Ein Geschenk, aber für wen? Für den Vorstand des Dorfes, Sophia? Es geht mir, denke ich, eher darum, ein Zeichen zu setzen, dafür, gerne Gast gewesen zu sein! Aber solche Dinge müssen vorbereitet und bedacht werden.
Abends war das Fest auf der Platia. Wir wurden sehr herzlich von dem Vorstand des Dorfes begrüßt. Drei Musiker erfreuten mit ihrer makedonischen Musik bis in die frühen Morgenstunden hinein, Alt und Jung.
Mit einer Schülerin kam ich ins Gespräch; offen und interessiert war sie. Ich dachte, die würde ich sofort als Austauschschülerin einladen, wenn sich die Möglichkeit bieten würde. Begegnungen!

Einen kurzen Blick richte ich auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Reise. Interessante Menschen aus der Schweiz und Deutschland. Da sind Artemis und Athina, die ihre Namen sehr bewußt von ihren griechischen Vätern erhalten haben. Namen mythischen Ursprungs, die sicher ihr Leben beeinflussen. Da sind die beiden Familien, eine aus Deutschland, eine aus Griechenland – befreundet seit langem; die fast erwachsenen Kinder Shara und Alexis tanzten mit, beide 16 Jahre. Sie haben sich toll mit den Erwachsenen arrangiert und in die Gruppe integriert. Gabriella, die Sonnenscheinfrau, mit einer Ausstrahlung von Leichtigkeit und Frohsinn; Dieter, der ruhige Schweizer, der eigentlich aus Berlin stammt, Annemarie, die Geigenspielerin und ihre Freundin Magdalena, Rosi die Medizinerin und Wanderexpertin, Petra, die zwei Wochen in der Frauenkooperative mitgearbeitet hat, und da sind die, die nicht so in den Vordergrund treten, die Zurückhaltenden, und nicht zu vergessen, die beiden Tanzlehrer Wolfgang und Nikos, die sich nach meinem Empfinden wunderbar ergänzen. Zwei sehr unterschiedliche Charaktere und doch stimmig und passend.

Die Fahrt zu den Meteora-Klöstern haben wir aus organisatorischen Gründen auf den letzten Ferientag verlegt. Wir sind ja spontan und flexibel!
Ich besuche zum ersten Mal diese Klöster auf den Steinfelsen. Schon von weitem ragen imposant die Felsspitzen in den Himmel. Kaum vorstellbar, wieviel Kraftanstrengung und inspirierende Visionen hierzu geführt haben. Oder war es der totale Rückzug aus der alltäglichen Welt, welcher die Menschen dazu bewog, die totale Nähe zu Gott und dem Universum zu suchen?! Wir besuchen drei Klöster. Das erste, Metamorfosis, ist restauriert, fast zu perfekt. Ehrfurchtsvoll und interessiert beschauen wir die Fresken, versuchen zu erahnen, was die ersten Mönche erwog, hier zu leben. Das zweite ist ein ganz kleines Kloster, Nikolaos, labyrinthartig klein, es wirkt bescheiden gegenüber dem anderen. Das dritte am Nachmittag ist ein Frauenkloster, das noch restauriert wird, schlicht und noch ursprünglich.

Ein übermüdeter, schlecht präparierter Teil der Gruppe hatte sich auf den Weg dorthin gemacht. Die Stimmung war durch die Übermüdung und die Hitze – es war der heißeste Tag der ganzen Zeit – am Nullpunkt angelangt. Aber das passiert und unterliegt auch einem gruppendynamischen Prozess. Das bedeutet schließlich, „es ist gut, dass wir nun auseinandergehen!“ Eine Gruppe bunt zusammengewürfelter Menschen hat sich für 14 Tage aufeinander eingelassen, mit allen Eigenheiten und Schrullen, die jede/jeder so mitbringt. Ist doch toll! Nun kann jede/jeder wieder ihren/seinen eigenen, individuellen Weg beschreiten.
Für mich war dies eine sehr gute Zeit. Ich konnte mich einlassen auf die Gruppe und konnte trotzdem meinen eigenen Freiraum finden, so, wie ich es für mich gut fand. Bis zum letzten Tag konnte ich alles genießen. Und ich weiß, ich komme wieder! Nach Zagora, zum Pilion und überhaupt nach Griechenland ins „Paradissou Lemoniá“! Und sicher kommen zu meinen 20 schon gelernten Wörtern noch einige hinzu!!

Kaló chimóna